Warum ein Innenzelt?

Die Frage, ob ein Zelt ein Innenzelt haben muss, kann mit „Nein“ beantwortet werden. Ein Innenzelt bringt Vorteile und Komfort mit sich, aber auch Nachteile, deren Gewichtung von der Betrachtungsweise und persönlichen Präferenzen abhängen.

Einwand-Zelt mit Boden
Das SPZ HIKING: Einwand-Zelt mit variablen Zeltboden

Generell dient ein Innenzelt dem Schutz davor, dass Du mit Kondenswasser in Berührung kommst und vor der Belästigung durch Insekten. Bei Feuerzelten dient es zudem dem Schutz des Aussenzeltes vor Beschädigungen durch Funkenflug. Auch mag ein Innenzelt die Abgabe von Wärme an die Umwelt zu verlangsamen, sowie - subjektiv empfunden und durch seine Farbgebung bedingt - für eine gemütlichere Atmosphäre im Zelt sorgen.

Spitzzelt SPZ 1-2 mit 2 Personen-Innenzelt
Zelt und Innenzelt mit zurück versetztem Eingang

Zum besseren Verständnis, sei erwähnt, dass auch die Verwendung nur eines Zeltbodens mit in die folgenden Betrachtungen einbezogen wird. Im weiteren Text steht die Abkürzung AZ für Aussenzelt, IZ für Innenzelt und ZB für Zeltboden.

Wer sich heutzutage ein neues Zelt kaufen möchte, findet ein reichhaltiges Angebot vor. Du wirst die Wahl haben, zwischen:

einem AZ ohne ZB und ohne IZ
einem AZ mit fest angenähtem ZB
einem AZ mit eingehängtem ZB ohne IZ
einem AZ mit eingehängtem IZ ohne ZB
einem AZ mit jeweils einzeln eingehängtem ZB und IZ
einem AZ mit im IZ fest vernähtem ZB

Ein weiterer großer Vorteil der Verwendung eines ZB, ganz gleich ob mit oder ohne IZ, findet sich im Zeltabbau bei matschigen Verhältnissen. Hast Du nur ein AZ, wird dieses beim Entfernen des Zeltgestänges mit seiner Innenseite im Matsch liegen. D.h., dein Zelt wird innen dreckig. Ein ZB wird hierbei zwar auch dreckig, aber halt nicht mehr, als er ohnehin schon ist.

Die Nachteile eines IZ, egal ob mit oder ohne ZB, liegen darin, dass es den nutzbaren Innenraum des AZ verkleinert, es das Packmaß und -gewicht erhöht und Du ggf. mehr “Zelt” zu trocknen hast. - Und, auch ein IZ oder nur ein ZB will beim Kauf bezahlt werden!

Der primäre Zweck eines IZ liegt im Umgang mit Feuchtigkeit und Wasser, wobei für manchen der Insektenschutz durchaus gleichrangig ist.

Um dich vor der krabbelnden und fliegenden Kleintierwelt zu schützen, ist es einfach nur wichtig, dass das IZ keine Löcher und Öffnungen hat, bzw. diese sich adäquat schließen lassen. Mehr braucht dazu nicht gesagt werden.

SPZ HIKING:Umlaufender Moskitoschutz
MotorTrekking: Einwand-Zelt mit Zeltboden und umlaufenden Insektenschutz

Widmen wir uns also dem Thema Feuchtigkeit und Wasser:

Wenn Du mehr über Luftfeuchtigkeit, Verdunstung und Kondensation lernen willst, empfehle ich Dir folgenden Link:
https://de.wikipedia.org/wiki/Luftfeuchtigkeit#Luftfeuchtigkeit

Kondenswasser im Zelt wird dann entstehen, wenn Feuchtigkeit in der Zelt-Luft ist und die Luft eine höhere Temperatur hat, als die Innenseite der AZ-Wand.

Wie kommt Feuchtigkeit in unsere Zelt-Luft? - Entweder durch Verdunstung von feuchten Oberflächen im Zeltinneren oder über den eingehenden Luftstrom der Lüftung bei hoher Aussenluftfeuchtigkeit wie z.B. Nebel!

Die Stärke der Verdunstung ist abhängig von der Oberflächengröße möglicher “Feuchtigkeitsspender” und vom Temperaturunterschied dieser zur umgebenden Luft, welche bei uns nun diejenige ist, die wir im Zelt haben.

Verdunstungsquellen sind zum einen die Personen, die sich im Zelt aufhalten. Wir atmen und schwitzen und werden dieses wohl kaum unterbinden können.

Zum anderen verdunstet Wasser vom Erdboden auf dem das Zelt steht, sowie von allen feuchten bzw. nassen Gegenständen, die wir ins Zelt tun - nasse Jacken, Stiefel, Hosen und anderes. Auch wenn Du im Zelt kochst, bringst Du Feuchtigkeit in die Luft und natürlich, wenn es bei offenem Eingang herein regnet oder schneit.

Ohne weitere Erklärung, wird es klar, dass ein dichter Zeltboden, der den Erdboden abdeckt, die Verdunstung der Bodenfeuchtigkeit ins Zelt stark einschränkt.

Auch könntest Du z.B. deine nassen Klamotten in eine Tüte packen. In der Praxis wirst Du das allerdings nicht machen wollen, da Du die Sachen ja für den weiteren Gebrauch trocknen willst.

IZ2P Innenzelt
Eine gute Lüftung sollte schon sein.

Egal wie gut die Lüftung deines Zeltes ist, wir gehen jetzt davon aus, dass Du Kondenswasser auf der Innenseite des AZ hast. Ist dieses zuviel, tropft es ab.

Ob das Kondenswasser tatsächlich tropft oder die Zeltwand hinab läuft, hängt davon ab, wie schräg bzw. steil die AZ-Wand ist. Bei Kuppel- und Tunnelzelten ist die Wand im oberen Bogen – Dachbereich - mehr waagerecht als senkrecht. Hier besteht eine sehr hohe Tropf-Wahrscheinlichkeit. Bei Spitzzelten, Tipis und Lavvus gibt es keinen waagerechten Bereich der Zeltwand. Hier ist es – in Abhängigkeit dessen, wie spitz das Zelt ist – doch anzunehmen, dass Wassertropfen die Zeltwand bis zur unteren Zeltkante herunter ablaufen und dort erst abtropfen.

Schaffen die Tropfen es bis zur unteren Zeltkante, fallen sie in der Regel auf den Erdboden, wo sie versickern. – Es sei denn, Du hast als Boden eine Plane gelegt, die größer als die Grundfläche des Zeltes ist. In diesem Fall würde das Wasser auf die Plane tropfen und könnte im ungünstigsten Fall über die Plane in das Zeltinnere laufen um dort eine Pfütze zu bilden.

TIPP: Wenn Du eine Plane unter dein Zelt legst, achte darauf, dass diese etwas kleiner ist, als die Grundfläche des Aussenzeltes !!!

Daraus ergibt sich, dass so manche Billig-Zelte vom Discounter, die nur aus einem AZ mit daran angenähtem Boden bestehen, die wohl schlechteste Zeltvariante darstellen! Solche Zelte darfst Du getrost als überdachte Badewannen ansehen.

TIPP: Lass die Finger von Einwand-Zelten mit fest angenähtem Boden !!!

Dahingegen sind jedoch Zelte, bei denen in das AZ ein Innenzelt mit fest angenähtem Boden eingehängt wird eine sehr gute Lösung – vor allem mit Blick auf den Insektenschutz und wenn der Zeltboden einen hochgezogenen Rand – also eine Wannenform – hat.

Zeltformen

Bei allen Zeltformen kann Kondenswasser trotzdem von “oben” abtropfen - nämlich dann, wenn das Zelt geschüttelt wird, wie es z.B. passiert, wenn eine vorbeigehende Person über deine Spannleinen stolpert, es stürmisch ist oder große Regentropfen aussen auf dem Zelt einschlagen. Hierbei besteht die Möglichkeit, dass Du z.B. beim Schlafen Wasser ins Gesicht bekommst. Verwendest Du nur einen Zeltboden, kann sich das Tropfwasser zur Pfütze sammeln und Du liegst mit Isomatte und Schlafsack im Wasser. Gegen so eine Tropferei schützt dich ein IZ!

Ob Du wirklich ein Innenzelt brauchst, musst Du mit Dir selber ausmachen. Wenn ich mir die Vielfalt der unterschiedlichen Meinungen, persönlichen Vorzüge und Erfahrungen der Kollegen anschaue, die draußen unterwegs sind, stellt sich ja sogar die Frage, ob Du überhaupt ein Zelt benötigst. Es gibt genug Leute, die einfach nur mit einem entsprechenden Schlafsack unter freiem Himmel nächtigen und sich dabei pudelwohl fühlen.

Unter den Zeltern gibt es wiederum sehr viele, die genau wissen, wie sie mit Feuchtigkeit und Wasser umgehen und auch in den feuchten und kalten Jahreszeiten hervorragend mit einem einwandigen Zelt parat kommen.

Einwand-Zelt ohne Boden im Matsch. Das geht schon!

Bleiben wir aber bei beim IZ, dass Du letztlich als Schutz vor Kondenswasser und Feuchtigkeit verwendest. D.h., Du willst dein Zelt innen möglichst trocken halten!
Bei schlechtem Wetter wird Dir das aber nicht gelingen, wenn Du ein Zelt hast, bei dem erst das IZ aufgebaut werden muss, um danach das AZ darüber zu spannen.
Bis Du beim Spannen des AZ bist, ist dein IZ nass!

TIPP: Achte beim Zeltkauf darauf, dass entweder das AZ zuerst stehen muss bevor das IZ eingehängt wird oder nimm am besten sogar ein Zelt, bei dem sich das IZ in einem, zusammen mit dem AZ aufbauen lässt.

Manche Leute betrachten ein IZ als Wärmefaktor. Es gibt sogar Zelte mit einem absenkbaren IZ, was dazu dient das aufzuheizende Luftvolumen zu verringern. Hierbei handelt es sich in der Regel um Zelte für extreme Witterungsverhältnisse.

Helsport Finnmark 6-8: Abgesenktes Innenzelt
Abgesenktes Innenzelt

Bei einem nicht beheizten Zelt im Winter machen die Temperaturunterschiede erfahrungsgemäß nicht viel aus, zumal die Heizwirkung durch deinen Körper erst dann einsetzt, wenn Du dich ins Zelt begibst. Bis da eine spürbare Wirkung einsetzt, ist wahrscheinlich die Nacht vorbei. Frage dich, ob Du bei -12°C wirklich besser schläfst, als bei -15°C?

Solltest Du feststellen, dass Du das Zelt mehr als 2° bis 3° aufheizt, würde ich mir einmal Gedanken über meinen Schlafsack machen! Dieser ist ja schließlich dazu da, die Abgabe deiner Körperwärme an die Umgebungsluft bestmöglich einzuschränken.

In diesem Sinne,

Henning