Yamaha XS 360 Customized

Yamaha XS 360 / 400

Ein Freund von mir erstand eine Yamaha XS 360 des Baujahres 1978 günstig als „Scheunenfund“.

Nach ersten Überarbeitungen war die Maschine vor kurzem zwar gelaufen und über den TÜV gebracht worden, hatte dann aber wieder den Geist aufgegeben. Erneute Versuche das Ding wiederzubeleben scheiterten. Schließlich wurde dann die von mir angebotene Hilfe in Anspruch genommen. Die Aufgabe war den Motor ans Laufen zu bringen, sowie einmal die Vorderradbremse anzuschauen, da diese trotz neuer Bremsbeläge keinerlei Wirkung zeigte.

Als er die XS zu mir brachte und wir sie vom Anhänger abluden, sah ich, wie vergammelt der Gesamtzustand war. Überall wo ich anfasste wurden die Finger sofort schwarz vor Dreck und Scheunenstaub, Rost war allgegenwärtig, die schwarze Tanklackierung wies zahlreiche Risse auf und aus jedem Motordeckel quoll rote Dichtmasse hervor.

Mir kam sofort in den Sinn, das ganze Gefährt zu überarbeiten und ansehnlicher zu machen. Nun bin ich wirklich kein Sauberkeitsfetischist, aber es macht halt mehr Spaß an einem halbwegs sauberen Motorrad zu arbeiten. Als Feinmechaniker wiederstrebt es mir zu dem, total verrostete Schrauben wiederzuverwenden. – Das muss einfach nicht sein! Habe ich einmal ein Bauteil ausgebaut, reinige ich es vor dem Wiedereinbau.

Da die kleinen „X-Esse“ von Yamaha am Gebrauchtmarkt kaum etwas Wert sind und Du noch gut erhaltene Maschinen im Originalzustand schon so um die 1000 Euro bekommst, war es klar, dass sich keinerlei Investitionen in einen Aufbau des Motorrades lohnen würden. – Ausser Du siehst einen individuellen Wert in dem Gefährt. Der Freund von mir wollte die Maschine im Wesentlichen einfach nur fahrbereit haben, um neben seinem großen Gespann noch ein kleines Brot- und Butter-Spielzeug zu haben.

Nun denn, nach einer ersten groben Reinigung mit dem Hochdruck-Wasser-Gerät verschaffte ich mir einen ersen Überblick:

Es gab keinen Zündfunken. Die Zündkerzen waren neu. Die Unterbrecherkontakte zeigten sich ebenfalls neuwertig, aber mit verkehrtem Kontaktabstand eingebaut. Zudem fehlte der Unterdruckschlauch vom Ansaugstutzen zum Benzinhahn. Die Batterie war nur schwach geladen und die Kontroll-Leuchten im Cockpit streikten. Ein Blick in den Sicherungskasten brachte eine defekte Sicherung zu Tage.

Soweit der vorläufige Befund.

Der erste Schritt war die Batterie an das Ladegerät anzuschließen.

Danach fing ich an, die Maschine etwas gründlicher, quasi mit der Zahnbürste zu reingen. Der Hintergrund dieser Vorgehensweise ist der, dass ich dadurch das gesamte Motorrad inspiziere und wohl fast jede Schraube kennenlerne. So stellte ich des Weiteren fest, dass die Schrauben des rechten Federbeines hinten nur handfest aufgedreht und der Bremssattel der Hinterradbremse lose waren. Die Abnahme der beiden Seitendeckel offenbarte mir, dass die XS zwei Luftfilter braucht, aber nur einer vorhanden war. Ich fand lose herum hängende Kabelenden, wovon eines ein Massekabel war. All die so gefundenen Mängel wurden sofort mit ihrer Entdeckung beseitigt. Jedes lose Kabel veranlasste mich, einen Blick auf den Schaltplan zu werfen. Dies führte letztlich dazu, dass ich vor allem die Zündelektrik korrigierte und so anschloss, wie von Yamaha vorgesehen.

Nachdem ich alles nach Schaltplan wieder so hergestellt hatte, wie es sich gehört und die zuvor genannten Mängel beseitigt hatte, ersetzte ich noch die defekte Sicherung.

Yamaha XS 360 - Zylinderkopf linker Zylinder

Und siehe da, die Kontroll-Leuchten leuchteten wieder. Der Anlasser drehte und ein, wenn auch schwacher Zündfunke war da. Flugs noch den Kontaktabstand und die Zündung korrekt eingestellt, sowie die Vergaser in die Grundeinstellung gebracht, den Kondensator gewechselt und der Motor sprang an. – Gewonnen! – Die Vergaser synchronisiert und das Aggregat lief rund, sauber und stabil.

Während die Hinterradbremse nur korrekt montiert werden musste, bedurfte es vorne schon etwas mehr Mühe. In der Zange musste der Bremskolben gängig gemacht werden, die originale Bremsleiung wurde durch eine Stahlflex ersetzt und ein gebraucht-neuer Bremszylinder war notwendig.

Yamaha XS 360: Vorderrad mit Einscheibenbremse

Somit stand die Technik und es war Zeit, sich über die Optik Gedanken zu machen.

Insgesamt bot der gereinigte Zustand des Gefährts doch eine bessere Basis als zuvor angenommen. Ich erkannte, dass eine Drahtbürste, etwas Chrompolitur und ein paar Lackarbeiten à la Pferdehändler so einiges bewirken würden.

Yamaha XS 360 "Black Beauty" (Bild 1)

Ich wollte meinem Freund das Motorrad ein wenig hübsch machen. Schließlich macht es doch mehr Spaß mit einem ordentlich aussehenden Motorrad zu fahren, als mit einem vergammelten. Die Idee war, dem Motorrad ein 70’ziger Jahre Aussehen zu verpassen, welches irgendwie neu und doch alt anmutet. Es war mir klar, dass es zuviel Aufwand sein würde das Gerät komplett auseinander zu nehmen und z.B. den Rahmen anständig zu lackieren. Es sollte ein Design werden, welches es erlaubt, dass hier und da doch eine angerottete Schraube ist, die dann aber nicht stört und ggf. wie gewollt ausschaut. Es sollte etwas Einmaliges werden und doch eine Anlehnung an Yamaha haben. Da die XS-Modelle früheren englischen Motorrädern nachempfunden waren, durfte das Aussehen durchaus auch einen britischen Flair haben.

Yamaha XS 360 "Black Beauty" (Bild 2)

So entschied ich, den Tank und den Kettenschutz bis auf das blanke Stahlblech abzubeizen. Die Seitenflanken polierte ich von Hand in einer Struktur, wie man sie von Milchtankwagen her kennt. Yamaha typisch war früher ein aussermittiger Rallyestreifen auf dem Tank. Auch einen solchen polierte ich in der gleichen Strukur, genauso wie die nach aussen zeigende Kettenschutzblechflanke. Diese polierten Flächen liess ich stellenweise ganz leicht wieder anrosten. Alle anderen Flächen wurden schwarz lackiert und dann alles, also auch die blanken Stahlflächen mit benzinfestem Klarlack überzogen.

Yamaha XS 360 "Black Beauty" (Bild 3)

Zur Abrundung der Optik demontierte ich noch die stählernen Zierleisten der Sitzbank, polierte und lackierte auch diese.

Yamaha XS 360 "Black Beauty" (Bild 4)

Den Rahmen besserte ich mit dem Pinsel aus und siehe da, das Ergebnis war exakt so, wie ich es wollte.

Erstaunlicher Weise ist das alles so schön geworden, dass meine Nachbarn immer wieder in die Werkstatt kamen um die Fortschritte während der Arbeiten zu begutachten. Andere Motorradfreunde schauten auch immer wieder herein und fanden die Optik einfach nur gut. Von daher dachte ich, dass ich die Bilder der so neu entstandenen Yamaha XS 360 „Black Beauty“ Dir als Leser und Besucher von MotorTrekking nicht vorenthalten möchte. Entschuldigen muss ich mich dafür, dass ich im Eifer des Gefechts keine Bilder vom alten Zustand der XS 360 gemacht habe. Die Idee diesen Artikel zu schreiben kam mir erst als die Yamaha fertig war.

Yamaha XS 360 "Black Beauty" (Bild 5)

Allgemein zu den alten, kleinen Yamaha XS-Modellen sei angemerkt, dass dieses sehr robuste Alltagsmotorräder waren, mit denen man durchaus flott unterwegs sein konnte. Sie waren und sind durchaus tourentauglich und Du kannst sie heute gebraucht sehr günstig bekommen. In Deutschland wurde die XS 360 und das spätere Nachfolgemodell, die XS 400 mit 27 PS ausgeliefert. Dies entsprach der damals geltenden, günstigen Versicherungsklasse in unserem Land. Du darfst bei der deutschen Version mit einer Höchstgeschwindigkeit von um die 135 km/h rechnen. Im umliegenden Ausland hatte der zwei-Zylinder-Gegenläufer 35 PS. Die höhere Leistung resultiert aus einer schärferen Nockenwelle und im Innendurchmesser größeren Ansaugstutzen.

Wenn Du also ein im Fahrwerk gutmütiges, robustes Motorrad für wenig Geld suchst, könnte so eine XS der Geheimtipp für dich sein.

Nachdem mein Kumpel die XS 360 "Black Beauty" - so sei sie genannt - nach Hause gefahren hatte, war er doch recht zufrieden. Ich hoffe er wird seinen Spaß damit haben, mit seiner, extra für ihn customized Yamaha.

 

Text und Fotos: Henning Wiekhorst

 

 

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