Das Elefantentreffen

In den frühen 50`ziger Jahren ebbte der Nachkriegsboom für Motorräder stark ab. Verkehrspolitisch war es ebenfalls keine rosige Motorradzeit und die Zahl der begeisterten Zweiradpiloten schrumpfte erheblich - vor allem im Winter. So kam es, dass der damalige Motorrad-Chefredakteur Karl Hertweck, als Fahrer einer Zündapp KS 601, wissen wollte, ob noch jemand ausser ihm im Winter auch so so eine KS fuhr.

Er lud per Announce dazu auf, sich im Winter des frühen Jahres 1953 bei sich im Garten zu treffen. – Ganze drei Zündapps kamen, das "Elefantenbaby" war geboren! Man hatte Spass und unterhielt sich gut und beschloss sich im nächsten Jahr wieder zu treffen. So ging es weiter und jedes Jahr kamen mehr Gleichgesinnte. Nach dem Treffen 1955 wurde jedoch klar, dass der Garten nicht mehr ausreichte. Ausserdem sah sich Hertweck selber auch nicht mehr im Stande weiter zu machen.

Zündapp KS 601
Zündapp KS 601 - Bj.: 1950 bis 1957

Die Zündapp KS 601 war für damals die wohl wuchtigste und drehmomentstärkste Maschine am Markt. Zudem wurde sie vorwiegend in olivgrüner Lackierung ausgeliefert – es gab sie selten auch in schwarz. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde das Motorrad im Volksmund auch liebevoll der „grüne Elefant“ genannt!

Ein Mitarbeiter Hertwecks bei der Motorradzeitung, der inzwischen ebenfalls eine KS ergattern konnte und der auch bei den Gartentreffen mit dabei war, entschloss sich das Treffen an einem geeigneterem Platz fortzuführen.

Der Mitarbeiter war der unter Motorradfahrern später so berühmte Ernst „Klacks“ Leverkus. Er gab dem Treffen den naheliegenden Namen „Elefantentreffen“ und lud 1956 in das Kurhaus Glemseck an der Solitude bei Stuttgart ein. Es kamen 75 Zündapp KS-Gespanne!

Zu der Zeit gab es keine Interessenvertretung für Motorradfahrer gegenüber der Politik, welche damals Motorräder z.B. in ihrer Höchstgeschwindigkeit stark begrenzen wollte und exorbitant hohe Versicherungsprämien forderte.

Somit war der Sinn des Elefantentreffens nicht nur der des geselligen Beisammenseins gleichgesinnter Fahrensleute, sondern auch der, als eine Plattform zur Interessenvertretung für Motorradfahrer zu dienen.

Naheliegend ist daher, dass auf dem 1956’er Elefantentreffen auch die Idee des gelben Schals geboren wurde, was später zur Gründung eines gleichnamigen Vereins führte. Aus dem „Gelben Schal“ heraus entwickelte sich der Bundesverband der Motorradfahrer, kurz BVDM.

Bis einschließlich 1960 fand das Elefantentreffen an ständig wechselnden Orten statt und wuchs und wuchs. Die Markenbindung wurde bereits 1958 aufgehoben.

Von 1961 bis 1977 war das Elefantentreffen so groß, dass nur der BVDM als Verein die Organisation gewährleisten konnte. In diesen Jahren fand das Elefantentreffen am Nürburgring in der Eifel statt. Das traurige Ende kam 1977 mit über 60.000 Teilnehmern und viel Randale mit einem Toten. Als Folge wurde das Elefantentreffen in Deutschland verboten und zog 1978 inoffiziell an den Salzburgring in Österreich um. Ab 1979 war es von behördlicher Seite dort genehmigt.

1985 auf dem Elefantentreffen
Auf dem Elefantentreffen 1985 am Salzburgring
Salzburgring 1985
Blick über das Elefantreffen am Salzburgring - 1985

Im Jahr 1987 beschloss der BVDM das Elefantentreffen aus finanziellen Gründen nicht weiter zu führen, weshalb sich aus dem BVDM heraus die „Interessengemeinschaft: Rettet das Elefantentreffen am Salzburgring“ (IGRES) gründete.

IGRES 1988
1988 vor den Toren des Salzburgrings - das IGRES-Treffen

Die IGRES führte ab 1988 das Elefantentreffen nahtlos weiter, musste aber aufgrund der umweltpolitischen Situation des Salzburgringes 1990 an den Nürburgring ausweichen. In Besinnung auf die ursprünglichen Werte vom Elefantentreffen heißt es seit dem das „Alte Elefantentreffen“.

Altes Elefantentreffen
Zurück in der Eifel - Das Alte Elefantentreffen am Nürburgring!

Parallel und wohl wegen einer Art erlittenen Gesichtsverlustes veranstaltete der BVDM ab 1989 ebenfalls wieder ein Elefantentreffen in Thurmannsbang-Solla im Bayerischen Wald.

Seit dem gibt es zwei Elefantentreffen.

BVDM-Treffen
Das BVDM-Treffen im Bayerischen Wald (Foto: Jan)

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Chronik des Elefantentreffens:

1953 - 1955: Elefanten treffen sich in Karl Hertweck`s  Garten

1956 - 1957: "Klacks" führt Hertweck's Veranstaltung als Elefantentreffen an der Solitude weiter

1958: Bad Dürkheim

1959: Stadtoldendorf

1960: Feldberg / Taunus

1961 - 1977: Nürburgring (BVDM) - 1977 wird das Treffen verboten

1978: inoffiziell am Salzburgring (BVDM)

1979 - 1987: Salzburgring (BVDM). Der BVDM zieht sich zurück!

1988: Salzburgring (IGRES)

1989: Salzburgring (IGRES) + Bayerischer Wald (BVDM)

1990 - 1991: Nürburgring (IGRES) + Bayerischer Wald (BVDM)

1992 - 2000: Nürburgring (H. Wiekhorst) + Bayerischer Wald (BVDM)

seit 2001: Nürburgring (E-Team) + Bayerischer Wald (BVDM)

 

Typisch fürs Elefantentreffen ist, …

… daß Du morgens mit kalten Füßen aufwachst und Probleme hast, in die hartgefrorenen Stiefel zu kommen und Dich fragst, was Du hier überhaupt zu suchen hast.

… daß Du eine halbe Stunde später nicht mehr verstehen kannst, wie Du Dir so eine blöde Frage stellen konntest.

… daß Du 2 Stunden zum Frühstücken brauchst – und die Zeit dazu hast.

… die Kameradschaft, der Duft nach Holzfeuer und Glühwein.

… daß Du am Sonntagmorgen nach jedem Häring, den Du aus dem gefrorenen Boden gezogen hast erst mal die Finger am Feuer wieder auftauen musst.

… daß am Sonntagmorgen Dein Motorrad trotz aller Flüche nicht anspringt – obwohl Du doch nach Hause willst.

… daß Du im nächsten Jahr zur gleichen Zeit am gleichen Ort wieder genau so fluchen wirst.

Das alte IGRES-Logo:

IGRES-Logo
Die IGRES rettete 1988 das Elefantentreffen!

Elefantentreffen: Die offiziellen Plaketten

Plakette Nürburgring
ab Mitte 60'er - 1977

Plakette Salzburgring
1979 bis 1987

IGRES Plakette 1
Nur 1988 mit JZ auf Plakette

IGRES Plakette 2
die letzte Salzburgring-Plakette

Plakette BVDM
ab 1989

IGRES Plakette 3
1990 & 1991

HW Plakette
1992 bis 2000

E-Team Plakette
ab 2001