Elefantentreffen! – Welche Ausrüstung?

Wenn Du noch nie auf dem Elefantentreffen warst, da aber hin willst – ob an den Nürburgring oder nach Bayern – stellst Du Dir eventuell die Frage nach der benötigten Ausrüstung? – Zumindest werde ich immer wieder danach gefragt, weshalb ich jetzt diesen Artikel schreibe.

Motorrad auf Winterstraße
Auf Winter-Touren musst Du mit solchen Straßen klar kommen!

Elefantentreffen hin oder her, letztlich reden wir von einer mehrtägigen Motorradtour im Winter, bei der Du im Zelt übernachtest. Das Elefantentreffen ist der Anlasss, bzw. das soziale Rahmenprogramm deiner Tour. Der Weg dahin ist das Ziel! – D.h., Du musst da auf deinen zwei oder drei Rädern, aus eigener Kraft ankommen – das ist Ehrensache. Solche Leute, die ihr Motorrad auf den Autoanhänger packen und dann nur die letzen 10 Km mit der Maschine fahren, werden auf dem Elefantentreffen nicht respektiert und sind unerwünscht!!!

IGRES-Wintertreffen 1989 am Salzburgring
Wer auf eigenen Rädern anfährt wird respektiert und kann am Lagerfeuer mitreden! - Salzburgring 1989, IGRES-Wintertreffen

In diesem Sinne stell Dir vorher folgende Fragen, die nicht nur für das Elefantentreffen, sondern für jede Wintertour gelten:

1. Bist Du fahrerisch bereit auf schnee- und eisglatten Strassen mit deinem Motorrad Strecke zu machen?
2. Ist dein Motorrad wintertauglich?
3. Bist Du und ist deine Kleidung dauerhaft wintertauglich?
4. Hast Du eine geeignete Campingausrüstung?
5. Wie steht es mit Deiner persönlichen Leidensfähigkeit im Winter.

Ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen, rechne wettertechnisch mit dem Schlimmsten. Meistens trifft das nicht ein, kann aber und dann musst Du damit klar kommen! Das Elefantentreffen findet an einem lange vorher gesetzten Termin statt.
Das bedeutet, Du kannst nicht vorhersehen, welches Wetter an dem Wochenende herrscht! Wenn Du wirklich zum Elefantentreffen willst, fährst Du! – Unabhängig vom Wetter und den Straßenverhältnissen!

Spaßig sind z.B. eisglatte Fahrbahnen mit Schneeverwehungen und geforenen Spurrillen, bei starkem, schneidend kaltem, böigem Seitenwind. Gehe allso in dich, ob Du so etwas fahrerisch meistern kannst. – Kommst Du glatte Steigungen hinauf? – Und, wie lange hältst Du das durch?

Nürburgring 1987: Drei-Königstreffen
Drei-Königstreffen 1987 am Nürburgring auf der Fläche A7. Heute steht dort ein Hotel.

Wenn Du 400 Km Anfahrtsstrecke hast und nur mit 30 Km/h vorwärts kommst, alle zwei Stunden für mindestens eine halbe Stunde anhälst, dann brauchst Du locker 16 Stunden. Dazu wird sich die Müdigkeit gesellen und Dir das Leben nicht leichter machen. Bei so etwas schneller zu sein ist einerseits eine Frage der Reifen, sowie des Schwerpunktes des (Solo-) Motorrades, andererseits eine Sache des eigenen Fahrvermögens bzw. des Trainings.

Es schadet sicherlich nicht, wenn Du vor der Tour mit deinem Motorrad ein wenig auf rutschigen und matschigen Feldwegen übst. Wenn Schnee liegt, umso besser.

Hinsichtlich des Motorrades ist ein niedriger Schwerpunkt sehr hilfreich. Die Reifen sollten möglichst das Profil wieder frei werfen, d.h., so beschaffen sein, dass sich das Profil nicht zu setzt. Hier kannst Du zum Teil mit dem Luftdruck arbeiten. Weniger Luft lässt den Reifen mehr walcken. Auf der anderen Seite hat man – früher zu mindest – unterschieden, in Reifen, bei denen das Profil geschnitten war oder die Profilblöcke einzeln gegossen waren. Bei letzterem haben die Profilblöcke mehr in sich gearbeitet und so die Rillen frei gehalten.

Altes Elefantentreffen am Nürburgring
Zeltromantik bei leichtem Schneetreiben auf dem Alten Elefantentreffen am Nürburgring in den frühen 90'zigern

Mache dein Motorrad dahin gehend winterfest, in dem Du dafür Sorge trägst, dass deine Elektrik – oder soll ich heutzutage eher Elekronik sagen? – vor Salzwasser geschützt ist! Zu mindest bei älteren Motorrädern betrifft dies die Zündung, Zündspulen, Zündkerzenstecker und Schalter der Lenkerarmaturen. Eine salzverkrustete Lichtmaschine macht auch nicht wirklich Spaß ☺! Das gleiche gilt für den Regler und andere, zentrale Relais. – Und, bitte sorge für eine gut dastehende Batterie!

Ja, auch die Mechanik muss dicht sein! Salzwasser im Radlager kommt nicht so toll.

Salzwasser ist dein Hauptfeind! – Ich gehe aber einmal davon aus, dass Du deine Maschine selber am besten kennst und weißt, was Du zu tun hast.

Was die Kleidung angeht, werde ich nur wenige Ratschläge geben. Da hat jeder so seine eigenen Vorzüge. Achte darauf, dass sie warm und bequem genug ist und Du trotz dicker Sachen gute Bewegungsfreiheit hast. Pack dich halt nicht zu eng ein!

Ich persönlich fahre gerne mit der Wachs-Cotton-Jacke! Die kühlt nicht so aus, wie Leder. Sie ist atmungsaktiv und wasserdicht, wenn Du sie richtig gewachst hast! Darunter trage ich z. B. eine Daunen- oder Strickwollweste. Somit halte ich meinen eigentlichen Körper warm, habe aber gleichzeitig eine gute Bewegungsfreiheit der Arme!

Gute Handschuhe sind obligatorisch! Überlege Dir, wie Du Beine und Füße warmhälst. Thermoanzüge wie Thermoboy oder Husky sind prinzipiell sehr gut. Die Dinger sind halt nur beim Toilettenstop ziemlich lästig!

Rechnen musst Du schon mit -20°C. Gerade beim Nürburgring richte Dich bitte nicht nach der allgemeinen Wettervorhersage für die Eifel! Der Nürburgring hat sein eigenes Wetter! Ich bin schon von Treffen nach Hause gefahren, wo es am Ring tiefsten Winter hatte und 20 Km weiter war es Frühling!

Oder umgekehrt – Du kommst, wie ich 2016, im milden, frühlingshaften Wetter, bei verfrüht blühenden Krokussen auf dem Elefantentreffen an und baust dein Zelt auf.
Dann verdeckt plötzlich eine Wolke die Sonne, die Temperatur stürzt ab und es fängt an heftig zu schneien. Nach gefühlten 10 Minuten steckst Du mitten in der weißen Winterpracht.

Ich erzähle all dieses, damit Dir klar wird, Du musst in jedem Fall für alles, was der Winter sich einfallen lässt gewappnet sein!

Stell Dir vor, Du kommst durchgefroren und im Dunkeln auf dem Elefantentreffen an. Es schneit oder regnet stark, die Finger sind klamm und Du musst jetzt dein Zelt aufbauen! – Da bist Du heil froh, wenn Du ein Zelt hast, das sich möglichst einfach und schnell aufbauen lässt. Was Du überhaupt nicht gebrauchen kannst, ist ein Zelt, bei dem Du erst das Innenzelt aufstellen musst, um danach das Aussenzelt `drüber zu stülpen. Warum? – Na ja, wenn das Innenzelt einige Minuten ungeschützt im Regen oder Schneetreiben steht, wird es wohl klatsch naß werden! Du willst aber doch eine trockene Behausung haben, oder?

Du brauchst ein einfach aufzubauendes Zelt!
Du brauchst ein Zelt, bei dem Du wenigstens zuerst das Aussenzelt aufbaust und dann das Innenzelt! Besser ist ein Zelt, das Du mit bereits eingehängtem Innenzelt aufbauen kannst!

SPZ Zelte von MotorTrekking
Die MotorTrekking-Zelte sind gut geeignet (Entschuldige die Eigenwerbung)

Tipp: Bevor Du überhaupt los fährst, pack zu Hause das Zelt aus und wieder ein! Prüfe hierbei, dass sich die Schnürre am Zelt nicht verheddern! Es ist schlichtweg ein Grauen, wenn Du auf dem Elefantentreffen mit kalten Fingern im Dunkeln bei heftigem Niederschlag die Leinen erst enttüddeln musst.

Ratschläge zum Zelt für den Winter:
Du brauchst ein Zelt, …
• ... das sich einfach und unkompliziert aufbauen lässt!
• ... das ein Innenzelt hat, welches Feuchtigkeit nach draußen abführt, aber keine herein lässt.
• ... bei dem das Innenzelt zum Aufbau bereits im Aussenzelt hängt - oder Du zumindest zuerst das Aussenzelt aufbaust.
• ... das PU oder Silkon-beschichtet ist. Lass die Finger weg von PVC und Acryl!
• ... das einen möglichst dichten Zeltboden hat. Wassersäule mind. 4.000 mm.
• ... das Schneelast und Wind aushält.
• ... das Du gut belüften kannst.
• ... das genug Platz für all deine Ausrüstung hat.

Tipp: Meistens taugen die beim Zelt mitgelieferten Häringe nicht viel. Besorge Dir Stahlnägel der Länge 180 mm oder 210 mm. Damit kommst Du fast in jeden hartgefrorenen Boden!

IGRES-Wintertreffen 1988
1988 vor dem Salzburgring: Zwei Tage vor dem Treffen wurden die Fahrwege freigeschoben. Wenn Du dein Zelt aufbauen wolltest, musstest Du zuerst einmal Schnee schaufeln!

Tipp: Wenn höherer Schnee liegt, wirst Du Dir wahrscheinlich den Zeltplatz frei schaufeln müssen. Pack allso z.B. eine Handkehrschaufel ein!

Was den Schlafsack angeht, so verweise ich auf die “Tipps zum Schlafsackkauf”. Du solltest einen Schlafsack mit einem Komfort-Temperatur-Bereich von wenigstens -10° C haben. Wenn es dann -15°C wird, wirst Du damit in aller Regel auch noch klar kommen.

Wichtig ist die Schlafunterlage. Die Isomatte sollte mindestens 5 cm oder mehr haben! Unterschätze nie die Bodenkälte!

Wenn Du all diese Punkte beherzigst, bist Du vielleicht noch nicht optimal ausgerüstet, hast aber eine Basis, auf der Du nun deine eigenen Erfahrungen machen kannst und dann weißt, wo Du dich für das nächste Mal verbessern willst oder solltest.

Für das, was bei deinem ersten Elefantentreffen nicht passt, brauchst Du deine Leidensfähigkeit!

 

Text und Bilder von Henning Wiekhorst